diefackel.com - Miss GeburtHeute wieder ein Beitrag zur beliebten Rubrik: Was soll das? Und diesmal ist bestimmt die Mehrheit der denkenden (weiblichen) Weltbevölkerung mit mir einer Meinung. Ich frage mich nämlich: Was soll das mit der Miss World Wahl? CUI BONO, wie wir Lateiner sagen.
Wozu wird die Misswahl, dieses Bachelor ohne erfundenen Märchenprinzen, überhaupt veranstaltet? Wen darf die Siegerin dann heiraten? Stimmt das Gerücht, dass der Bachelor seine letzte Rose dem Moderator überreichen wird und alle Teilnehmerinnen stinksauer sind?
[Hörtipp zu diesem Beitrag: David Bowie - China Girl]
Dieses Jahr haben sich die Chinesen bereit erklärt den Wettbewerb zu beherbergen. Und haben dazu extra ein Misswahlen-Verbot aufgehoben und eine Veranstaltungshalle erbaut.
Die Chinesen erhoffen sich vom weltweit im Fernsehen übertragenen Wettbewerb bessere Publicity als von den Bildern von Panzern, die über Studenten rollen. Oder Genickschüssen für Dissidenten und andere Schwerverbrecher. Und nebenbei erhofften sie sich eine Chance für das Chinesische Hühnchen (Guan Qi oder Qi Guan, je nachdem) im Bewerb.
Die wurde dann nur Dritte. Die Misswahl ist eben eine seriöse Veranstaltung und nicht der Song-Contest.
Siegerin wurde die Irländerin Rosanna Davison. Die ist damit offiziell die schönste Frau der Welt. Lasst euch den Schwachsinn mal auf der Zunge zergehen. Außerdem ist sie auch noch Tochter von Chris de Burgh, was ihr sicher auch nicht geschadet hat.
Irgendwas macht unsere Familie falsch. Ich schwöre euch, meine Tante hat mit 19 genau so ausgesehen. Und die ist damit nur Miss Unterach geworden...
In der Republik Irland ist übrigens die Abtreibung nach wie vor gesetzlich verboten. Weshalb minderjährige Schwangere aus Irland gerne Ausflüge nach Großbritannien unternehmen. Oder – wenn sie sich das nicht leisten können – Selbstmord begehen oder eben statt der Schwangerschaft die Ausbildung unterbrechen und ihr Leben versauen. Und weil die Kondome auch der Teufel gemacht hat, gibt es nicht gerade wenige schwangere minderjährige Frauen in Irland.
Das ist zum Beispiel ein Gebiet, auf dem ihr, liebe Feministinnen, eure Energie gewinnbringend einsetzen könntet. Ich würde sagen wir verleihen der Republik Irland erst einmal eine Zitrone.
Aber zurück zum Wettkampf. Wer denkt die Sache war nach der Bikini-Runde bereits für die irische Bewerberin gelaufen, der irrt. Überhaupt darf man die Miss-World-Wahl nicht als geistloses und oberflächliches Getue abtun. Immerhin gehört neben Bikini- und Abendkleid-Runde auch ein Vorstellungsteil zur Show. Dabei haben die Bewerberinnen jeweils 30 Sekunden Zeit um ihren Charakter zu beschreiben.
Ja, es zählen die inneren Werte. Frau Davison hat sich dabei in schonungsloser Offenheit als warmherziger und lebenslustiger Mensch vorgestellt. Darauf führen die Kenner letztlich auch ihren Sieg zurück.
Um am Ende Bilanz zu ziehen: Gewinner sind die Volksrepublik China, Chris de Burgh und die Veranstalter mit ihrer Badewanne voll Geld. Verlierer sind der gesunde Menschenverstand, die Menschenwürde, die Gleichberechtigung, der gute Geschmack und insbesondere die 104 Verliererinnen des Bewerbs, die ihre „15 minutes of fame“ damit verbraucht haben.