diefackel.com - Suomi PostiDa ich von einem Mitverantwortlichen dieser Seite wiederholt dazunaufgefordert wurde meine Erlebnisse im fernen Norden zu Papier zu bringen (wohl eher in Bits und Bytes umzuwandeln), konnte ich meine Erfahrungen nicht länger für mich behalten, obwohl sie sich bis dato noch sehr in Grenzen halten, was wohl daran liegt, daß ich noch keine Woche hier bin.
Für alle die es nicht wissen, ich befinde mich für 3 Monate in
Kuopio/Finnland, Mittelfinnland um genau zu sein, mitten im See
sozusagen. Im Moment läßt sich der See (und es ist wirklich ein und
derselbe See, der die ganze Stadt umgibt) allerdings nur erahnen, anhand von ungewöhnlich weiten ebenen Flächen, die mit viel Schnee bedeckt sind (ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob das der See ist, aber was soll es denn sonst sein? Urteilt selbst:
Es soll sehr schön sein hier mit dem vielen Wasser, na mal sehen, wenn das Eis geschmolzen ist. Das kann allerdings noch dauern. Minus 15 Grad Celcius sind hier keine Seltenheit, und man muß schon aufpassen, wenn man außer Haus geht, und sollte sich vorher genau darüber informieren wie man am schnellsten zum nächsten beheizten Platz kommt.
Was es bedeutet, wenn man das nicht tut, bekam ich gestern leidvoll zu spüren. Offenbar eben zu wenig informiert machte ich mich auf, die Stadt zu besichtigen. Da der Bus, den ich eigentlich nehmen wollte, erst nach 20 Minuten kommen sollte, beschloss ich es zu fuß zu versuchen, laut Plan konnte es nicht weit sein...
So kam es, daß ich geschlagene 1 1/2 Stunden später vollkommen
ausgefroren, mit steifen Gliedmaßen, einer Nase wie Rudi das Rentier, mein Herz kaum noch schlagen hörend und fast schon die Hoffnung aufgebend endlich das nächste beheizte öffentlich zugängliche Haus erblickte, ein McDonalds auf dem Marktplatz.
Da ich nicht meiner mangelnden Orientierungsfähigkeit (die nämlich nicht mangelhaft ist) die Schuld geben wollte, mußte das mir fast zum Verhängnis gewordene Erlebnis wohl an der Tatsache liegen, daß in Finnland einfach andere Dimensionen herrschen, oder ich den falschen Weg eingeschlagen habe.
Da ich Physikerin bin und mir mein ganzes Studium eingebleut wurde, daß selbst in den fernsten Ecken des Universums die gleichen physikalischen und mathematischen Gesetze herrschen, muß es wohl doch an letzterem liegen, obwohl ganz normal finde ich es nicht, eine 3 km entfernte Wohnung als Nachbarhaus zu bezeichnen, aber bitte.
Wie auch immer, wie durch ein Wunder habe ich meinen Ausflug in die Stadt überlebt, und dabei hatte ich wirklich Glück, denn im Normalfall herrschen hier im März bis zu -30 Grad Celsius!! Die Finnen versichern mir schon seit einer Woche wie warm dieser Winter nicht ist, und wie schlimm die Geschichte mit der globalen Erwärmung nicht ist. Tja, was soll ich sagen, es ist wohl so, daß ich sehr gegen die Amis wettere und dagegen, daß sie sich so absolut weigern das Kyoto-Protokoll einzuhalten, und gerade als Aerosolphysikerin muß ich mir ja Sorgen um das Weltklima machen, aber es sei mir verziehen, wenn ich für dieses eine Monat ein Loblied auf die globale Erwärmung singe!
Wie kalt es hier normalerweise ist, konnte ich auch an einer witzigen Entdeckung erkennen, die ich an meinem ersten Tag hier gemacht habe. Da sehe ich doch tatsächlich wie die Autos auf den Parkplätzen mit dicken Kabeln an kleinen Kästen hängen, und das auf jedem einzelnen Parkplatz. Meinem technischen Verständnis habe ich es zu verdanken, daß ich natürlich sofort wußte, es konnte sich nur um eine Stromversorgung für die Autos im parkenden Zustand handeln, doch dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß es wirklich absolut notwendig für die arbeitende Bevölkerung ist, da andernfalls an ein Anstarten in diesem Winter nicht zu denken wäre, weil alle Leitungen zugefroren wären.
Eine witzige Anekdote weiß ich noch von der Unimensa zu erzählen, die im übrigen viel billiger und besser ist, als bei uns, was mich aber nicht weiter überrascht, da das irgendwie überall der Fall ist.
In einem schlauen Büchlein über die finnische Mentalität ist zu lesen,
daß Finnen gerne Milch zum Mittagessen trinken. Da viele Klischees über viele Nationalitäten im Umlauf und nicht alle unmittelbar verifizierbar sind, hielt ich die Liebe der Finnen zu dem weißen Getränk auch für schwer übertrieben.
Allerdings wurde ich eines besseren belehrt, als ich mein erstes
Mittagessen in der Mensa einnahm (was um 14.00 geschah, und ich deswegen etwas seltsam angesehen wurde, da hier normalerweise um 11.00 zu mittag gegessen wird - was vielleicht auch die Milch erklärt) und tatsächlich mindestens 4/5 aller Finnen mit einem Glas Milch dasitzen sah.
Nun habe ich meine finnischen Studienkollegen natürlich sofort darauf angesprochen, wie witzig ich das finde, und daß das bei uns eher unüblich ist, woraufhin sie mich entgeistert ansahen und fragten, ob wir denn keine Kühe in Österreich hätten.
So, das war´s auch schon fürs erste, Eindrücke vom Essen, die ich leider auch schon gewonnen habe, und Saunaerlebnisse wird es beim nächsten Mal zu lesen geben.
In diesem Sinne, Moi moi